DNAMit Hilfe der Desoxyribonucleinsäure, kurz DNS, den Täter überführen – das kennt man aus dem Fernsehen. Dabei werden mehrere kleine Abschnitte der DNS, die sich in den am Tatort gefundenen Zellen befindet, vervielfältigt und sichtbar gemacht. Durch den Abgleich mit der DNS der Verdächtigen können Unschuldige vom Täter unterschieden werden. Erlaubt ist dies in vollem Umfang lediglich der Polizei. Einen bestimmten, nicht codierenden Abschnitt der Erbinformation zu bestimmen, ist Schulen allerdings erlaubt. Und das war nun erstmals auch unterfränkischen Schülern möglich. Die Biologie- und Chemielehrerin Stefanie Dengel brachte das mobile DNS-Labor an die Realschule Haßfurt. Entwickelt wurde dieses Labor von den Diplombiologen Dr. Christina Schultheis und Dr. Alexander Rotthues, die selbst an der beruflichen Paul-Ehrlich-Schule Frankfurt-Höchst unterrichten.

Die 30 Schüler der Klasse 9d machten sich schließlich an die „Ermittlungen“. Natürlich ermittelten sie nicht in einem Kriminalfall und es gab weder ein Verbrechen noch einen Täter an der Realschule – dennoch lernten die Schüler im Rahmen des Schulprojekts, wie ein genetischer Fingerabdruck erstellt wird. Dazu mussten sie zunächst eine Übung zum Pipettieren absolvieren, bevor sie sich an den genetischen Fingerabdruck wagen durften. Um diesen zu erstellen, entnahmen die Neuntklässler Speichelproben aus ihrer Mundschleimhaut. Nach Zugabe einer Pufferlösung wurde das Reagenzglas mit dem Gemisch in einem Thermocycler auf 96 Grad Celsius erhitzt, um die DNS-Stränge freizulegen. Ein Mikroliter dieser Flüssigkeit wurde dann in ein anderes chemisches Gemisch gegeben und 32 mal erhitzt, abgekühlt und wieder erhitzt. Nach der sogenannten Polymerasenkettenreaktion lag nun die DNS von jedem Schüler millionenfach kopiert vor. Dennoch kann man sie mit bloßem Auge nicht wahrnehmen. Sichtbar machten die Schüler den Locus im Genom mit Hilfe eines fluoreszierenden Farbstoffes und der Gel-Elektrophorese. So erhielt jeder Schüler einen Nachweis seiner einzigartigen DNS.

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Zudem erarbeiteten sich die Neuntklässler anhand von Arbeitsmaterialien und Modellen aus Hartgummi den Aufbau der Desoxyribonucleinsäure. Animierte Filme gaben Aufschluss über den Ablauf der Polymerasen-Kettenreaktion und die Gel-Elektrophorese.Den Lehrkräften ging es bei dem Projekt vor allem darum, die Vorstellungskraft der Schüler anzuregen und ihnen die Naturwissenschaften zugänglicher zu machen. Viele Phänomene im Chemie-, aber auch Biologieunterricht sind abstrakt. Man braucht ein gewisses Vorstellungsvermögen, um die jeweilige Thematik zu begreifen. Das Projekt zeigte deutlich: Wenn die Schüler in Kitteln und mit Handschuhen arbeiten dürfen, steigt die Motivation, sich mit den Naturwissenschaften auseinanderzusetzen.

Schulen können sich das mobile DNS-Labor, das der Chemie-Konzern Bayer mit knapp 15 000 Euro unterstützt hat, kostenlos ausleihen, um den Schülern die Berufsorientierung zu erleichtern. Der Schulleiter der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule Dr. Hartmut Hopperdietzel und die Chemielehrerin verfolgen mit der Durchführung von „CSI: Mainhattan“ das gleiche Ziel wie Dr. Christina Schultheis und Dr. Alexander Rottheus: Die Schüler sollen über Ausbildungsberufe in der Chemie, Biotechnologie und weiteren naturwissenschaftlichen Bereichen besser informiert und dafür stärker motiviert werden. Schülern zufolge habe der Tag viele realitätsnahe Einblicke in die Lebenswelt eines Naturwissenschaftlers geboten. Nicht nur im Hinblick auf die Berufsorientierung ist das Resümee der Schüler äußerst positiv: Sie hätten nicht nur unglaublich „viel Spaß“ gehabt, sondern haben ihren Aussagen nach auch „viel im Bereich Genetik dazu gelernt“.

Die neuen Kenntnisse nutzten einige Schüler anschließend innerhalb des im Lehrplan vorgesehenen Projekts, um ein Kinder- bzw. Jugendbuch zu dem Thema „Der genetische Fingerabdruck“ zu gestalten. So konnte das Gelernte nicht nur von den Schülern verarbeitet, sondern auch für andere Kinder und Jugendliche altersgemäß dargestellt und aufbereitet werden.

Quelle: www.hassfurter-tagblatt.de

 

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