Ausstellung über Menschen, Wissen und Vorstellungen

m3Was bewegt muslimische Jugendliche? Was bedeutet ihnen ihre Herkunft? Wie blicken sie auf Deutschland? Diese Fragen will die Wanderausstellung „Was glaubst Du denn?! Muslime in Deutschland“ beantworten, die derzeit in der Auguste-Kirchner-Realschule im Haßfurter Schulzentrum zu sehen ist. Die Bundeszentrale für politische Bildung schickt seit 2013 diese Ausstellung auf Tour, die Schülerinnen und Schüler, aber auch alle anderen einlädt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. „Fremdes verstehen und sich für andere engagieren – damit hat unser Landkreis vielseitige Erfahrungen, denn viele Menschen, die bei uns leben, haben ihre Wurzeln woanders, sie kamen einmal als Fremde hierher“, sagte Landrat Wilhelm Schneider bei der Ausstellungseröffnung am Montag. Ein friedliches Miteinander stärken und Missverständnissen und Vorurteilen vorbeugen, das leiste die Ausstellung. Die Präsentation mit Videos, interaktiven Spielen und Selbsttests eröffne viele Möglichkeiten, sich Fragen zu stellen und sich zu positionieren. Beeindruckt von der aufwendigen Schau war auch Bürgermeister Günther Werner. Sie sei eine hervorragende Gelegenheit um miteinander ins Gespräch zu kommen und Reflexionen auszulösen, sagte Werner. Schulleiter Dr. Hartmut Hopperdietzel zeigte sich fasziniert von der pädagogischen Ausrichtung des Projektes. Besonders die sogenannten „Peer Guides“ leisten wertvolle Arbeit. Das sind 25 Jugendliche der neunten Klassen, die an zwei Wochenenden ihre Freizeit opferten und an einer Ausbildung teilnahmen, um die Besucher durch die Ausstellung zu führen. Die „Peer Guides“ verstehen sich als Lernbegleiter, die auf relevante Themen hinweisen und Diskussionen anregen, die sich an der Lebenswelt der Jugendlichen orientieren. Wichtigstes Zielpublikum sind Schülerinnen und Schüler aller Schulformen ab der fünften Klasse, erläuterte Beratungsrektorin Ulrike Wild, die für die Organisation der Ausstellung zuständig ist. Echte Kommunikation auf Augenhöhe, also Jugendliche, die mit Jugendlichen reden, ist für die Lehrerin ein wichtiges Ziel.

Kann man sehen, wer Muslim ist?

Die Präsentation gliedert sich in drei große Abteilungen. Im Zentrum der ersten Abteilung „Menschen“ stehen sieben junge Muslime, die sich selbst vorstellen und über sich reflektieren: über Familie und Heimat, Liebe und Zukunft, Religion und Freundschaft, Politik und Sport, Leidenschaft und Mode, Musik und Identität – in Videoclips, in Comicgeschichten, mit privaten Objekten und Fotografien. Die Abteilung konfrontiert Besucher auch mit ihren eigenen (möglichen) Vorurteilen. Kann man sehen, wer Muslim ist? Die Künstlerin Seren Basogul hat 30 Personen porträtiert, die in kurzen Statements darüber Auskunft geben, was ihnen im Leben wichtig ist. Religion und Religiosität erscheinen hier, wie generell in der Ausstellung, nur als eine von vielen Facetten der Identität. Eine zweite Foto-Arbeit führt vor Augen, wie unsere Wahrnehmung von Frauen mit deren Kopfbedeckungen variieren kann. Die zweite Abteilung, „Wissen“, führt mit Animationsfilmen und interaktiven Installationen in zentrale Themen ein – von der Frage, was Religion ist, über die Beschäftigung mit der Vielfalt islamischer Positionen bis zur Auseinandersetzung mit Muslimfeindlichkeit und religiösem Extremismus. An einer interaktiven Geschichtswand, die im Internet stetig erweitert wird, können Gruppen wie Einzelbesucher ihre Perspektiven auf die jüngere Geschichte diskutieren und eigene Vorschläge zu wichtigen historischen Ereignissen hinterlassen.

Hervorragend integriert

Die letzte Abteilung, „Vorstellungen“, beschäftigt sich mit den Vorstellungen, die Menschen sich permanent voneinander machen. Fünf Comics zeigen, wie solche Vorstellungen das Handeln prägen und führen zur Frage, welche Alternativen denkbar sind. Als hervorragend integrierte Schülerin stellte sich Sara Maamo vor. Die 15-Jährige stammt aus Syrien, ist Moslem, trägt aber kein Kopftuch. Seit Juli 2016 ist sie mit ihren Eltern und den drei Geschwistern in Deutschland. Ein Zuhause hat die Familie in Untertheres gefunden. Die Schülerin geht in die siebte Klasse der Realschule und darf auch bei den Streitschlichtern mitmachen, wie sie stolz erzählte. Sara, die sehr großes Interesse an Sprachen hat, spricht sehr gut Deutsch und kann außerdem Arabisch, Kurdisch, Türkisch, Englisch und auch bald Französisch. Sie stellte ihr Heimatland vor und erklärte, dass es viele Unterschiede zu Deutschland gebe. In der Schule wird zum Beispiel genau anders herum benotet. Eine Zehn ist die beste und eine Null die schlechteste Note. Schuluniformen seien Pflicht, ebenso zwei Mal in der Woche das Singen der syrischen Hymne. Auch die Schulwoche ist anders organisiert, nämlich von Sonntag bis Donnerstag. Freitag und Samstag gilt nämlich als Wochenende in ihrer Heimat. Umrahmt wurde die Eröffnung musikalisch durch die Percussiongruppe mit Musiklehrer Robert Niklaus. Im Anschluss an den offiziellen Teil wurde rege davon Gebrauch gemacht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Ein Buffet mit vielen syrischen Spezialitäten sorgte dafür, auch die kulinarischen Köstlichkeiten des fremden Landes kennenzulernen. Für die Öffentlichkeit ist die Ausstellung dienstags bis 21. Dezember von 13.30 Uhr bis 15.30 Uhr geöffnet. Hier besteht auch die Möglichkeit eine Führung zu bekommen.

Quelle: www.mainpost.de

m2 m1

Kontakt

Dr.-Auguste-Kirchner Realschule Haßfurt
Tricastiner Platz 1
97437 Haßfurt

Tel.: 09521 9444-22
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!