Fürsprecher aller Schüler in Unterfranken und Bayern

Gleich zwei Schülerinnen des Haßfurter Schulzentrums vertreten auch überregional die Interessen der Schüler. Auf beide kommen große Aufgaben zu.

S3Es begann eigentlich ganz „harmlos“: Vanessa Frank wurde, was nicht außergewöhnlich ist, von ihren 27 Mitschülerinnen und Mitschülern zur Klassensprecherin gewählt. Damit nahm ihre Karriere allerdings erst richtig Fahrt auf. Denn die 15-Jährige aus Ebelsbach vertritt nach einer weiteren erfolgreichen Wahl nicht nur ihre Klasse, die M10, sondern gleich die gesamte Albrecht-Dürer-Mittelschule in Haßfurt, die sie erst seit acht Monaten besucht. Und mittlerweile ist sie im gesamten Freistaat tätig.

Ähnlich lief es bei der 16-jährigen Valerie Eske aus Haßfurt, die die 10. Klasse der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule besucht. Auch sie war zunächst Klassensprecherin, dann Schülersprecherin und wurde schließlich zur Bezirksschülersprecherin für die unterfränkischen Realschulen gewählt. Damit sind gleich zwei Schülerinnen des Haßfurter Schulzentrums auch überregional als Schülervertreter aktiv.

„Alle Schulsprecher des Landkreises haben einen Landkreisschulsprecher und einen Stellvertreter gewählt“, erklärt Vanessa Frank. „Weiter ging es dann nach Würzburg, dort wählten alle Landkreisschülersprecher des Bezirks Unterfranken einen Bezirksschülersprecher für Unterfranken und einen Stellvertreter.“

Kennenlernspiele und Gespräche

Auch Valerie Eske wurde bei der Bezirksaussprachetagung (BAT) in Würzburg zur Bezirksschülersprecherin gewählt, in ihrem Fall für die Realschüler. Doch woher wissen die anderen eigentlich, wen sie wählen sollen? Immerhin ist es nicht wie bei einer Klassen- oder Schülersprecherwahl, bei der die Schüler einen Klassenkameraden wählen, oder zumindest jemanden, den sie vom Pausenhof und aus Schulveranstaltungen kennen. Hier kamen 40 Realschüler aus ganz Unterfranken zusammen, die sich vorher nie gesehen hatten, um zwei Leute aus ihren Reihen zu Bezirksschülersprecher und Stellvertreter zu wählen.

 

"Deshalb dauert das ganze auch zwei Tage", erklärt Valerie Eske. Am ersten Tag drehte sich alles um das gegenseitige Kennenlernen. So gab es Kennenlernspiele, dann wurde viel über das Schulleben geredet. Außerdem erzählt Eske, es habe viel Freizeit gegeben, die den Schülern die Gelegenheit zum Kennenlernen gab. Am zweiten Tag fand dann die Wahl statt.

"Für die Schüler bringt das die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen", erzählt Verbindungslehrer Stefan Zeller. Valerie Eske hatte mit der Wahl zur Bezirksschülersprecherin das Ende der Karriereleiter erreicht, für Vanessa Frank ging es noch eine Stufe weiter: Sie erhielt vom bayerischen Kultusministerium eine Einladung zur Landesschülerkonferenz am 28. und 29. November in München. Hier wählten die Bezirksschülersprecher von Förder-, Mittel-, Real-, Berufs- und Fachoberschulen, Gymnasien sowie Beruflichen Schulen aus ihren Reihen die Landesschülersprecher. Gewählt wurden jeweils ein Sprecher und ein Stellvertreter von jeder Schulart. Zwei Tage zum Kennenlernen inklusive einiger Sitzungen und verschiedener Meinungsaustausche reichten aus, dass das Mädchen aus Ebelsbach seit Ende November neue Landesschülersprecherin für die Mittelschulen ist.

 

„Ich selbst bin sehr stolz, dieses Amt ausführen zu dürfen und das Vertrauen der bayerischen Schülerinnen und Schüler zu bekommen“, freut sich die leidenschaftliche Fußballerin Vanessa Frank noch immer, wobei sie nach wie vor sehr überrascht ist. Schließlich war es für sie „eine Herausforderung und ein Erfolg, mich bei fünf Wahlen durchzusetzen“.

Vermittlerrolle und Ansprechpartnerin für Schüler

Auch Valerie Eske war bei der Wahl zum Landesschülersprecher für die Realschulen dabei, gewählt wurde aber Ben Wirth von der Realschule in Scheßlitz bei Bamberg. Als Bezirksschülersprecherin hat sie nun vor allem eine Vermittlerrolle. Sie vertritt die Interessen der unterfränkischen Realschüler gegenüber dem Landesschülersprecher und gegenüber den Vertretern der anderen Bezirke. Außerdem ist sie Ansprechpartnerin für Schüler aus Unterfranken, die Beschwerden haben, weil an ihrer Schule etwas nicht so läuft, wie es laufen sollte. Konkrete Beispiele zu benennen, fällt ihr allerdings schwer, denn einerseits hat sie das Amt, in das sie für die Dauer eines Schuljahres gewählt ist, erst vor wenigen Wochen angetreten, andererseits unterliegen manche Teile ihrer Tätigkeit einer Schweigepflicht.

"Als Landesschülersprecher lernt man definitiv auch, selbstständiger zu werden, sich durchzusetzen und sich gut zu präsentieren.“

Vanessa Frank, Landesschülersprecherin

Vanessa Frank kann als Landesschülersprecherin auch Anträge ans Kultusministerium stellen. Natürlich sei durch die große Aufgabe ihr zeitlicher Aufwand gestiegen, doch bereut hat sie ihren Schritt nicht. „Ich kann bisher sagen, dass es sich definitiv lohnt.“ Sie habe einerseits „die Möglichkeit, viele nette Menschen kennenzulernen.“ Außerdem bekommt sie „einige Einblicke in die Politik“. Bei vielen Dingen habe man Mitspracherecht und arbeite „sozusagen mit dem Kultusministerium zusammen", erzählt sie. "Als Landesschülersprecher lernt man definitiv auch, selbstständiger zu werden, sich durchzusetzen und sich gut zu präsentieren.“

Ob sich ihr Engagement als Landesschülersprecherin auch für ihr weiteres Leben einmal auszahlt, sei „schwer zu sagen, da die Amtszeit nur ein Jahr beträgt“. Vanessa Frank erhofft sich allerdings, dass die gesammelten Erfahrungen mit anderen Personen und Ämtern für ihre berufliche und private Zukunft von Nutzen sein können. "Die Sozialkompetenzen wie Teamfähigkeit oder Konfliktmanagement sind auch in vielen Bereichen der Arbeitswelt immer mehr von Nöten.“

Weit weg von der Lebenswirklichkeit der Schüler

Und wie reagieren die Mitschüler der beiden darauf, dass Vanessa Frank und Valerie Eske nun überregional Schülerinteressen vertreten? „Einige freuten sich sehr für mich, andere wissen es noch gar nicht“, gibt Vanessa Frank kurz und knapp die Reaktionen wieder. Ähnlich beschreibt es auch Valerie Eske. Sie bekomme für das Amt durchaus Anerkennung von ihren Mitschülern, dass sie aber nicht nur Schülersprecherin der Haßfurter Realschule sondern auch des ganzen Bezirks Unterfranken ist, wissen viele von ihnen nicht. "Das hat auch mit der Lebenswirklichkeit des einzelnen Schülers der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule nichts zu tun", ergänzt Verbindungslehrer Stefan Zeller.

Die Haßfurter Schüler erleben sie eher, wenn sie ihre Aufgaben als Schülersprecherin der eigenen Schule wahrnimmt – wie beispielsweise am Dienstag, als die Realschule Spenden an gemeinnützige Organisationen übergab. Bei der Veranstaltung sprach sie im Namen der Schüler und überreichte Spendenschecks. Gut findet sie auch, dass sich das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern in den vergangenen Jahren gewandelt hat. Es beruhe nun mehr auf gegenseitigem Respekt und die Distanz sei etwas kleiner geworden, was die Zusammenarbeit einfacher mache.

Viel soziales Engagement

"Ich rede für mein Leben gerne", entgegnet Valerie Eske auf die Frage nach ihrer Motivation, sich als Schülervertreterin zur Wahl zu stellen. Zudem finde sie es wichtig, ihre eigene Meinung zu äußern und auch die Meinung der anderen zu vertreten. "Ich organisiere gerne und ich engagiere mich gerne", sagt sie weiter. Das fällt auch bei vielen ihrer Hobbies auf: Eske ist ehrenamtlich in der Evangelischen Jugend in Haßfurt aktiv, außerdem arbeitet sie in der Schulfirma mit und gehört zum Streitschlichter-Team des Haßfurter Schulzentrums.

"Ich bin dankbar für diese Chance, dass man ein Mitspracherecht hat", sagt Valerie Eske. Vanessa Frank betont, sie sei „unglaublich stolz“, dass sie es bis zur Landesschülersprecherin geschafft hat und dankt im Nachhinein ihren „Wählern“ für das Vertrauen. „Es soll eine Motivation für die Schüler sein, die sich auch wünschen, einmal dieses Amt ausführen zu dürfen“, sagt sie und rät: „Wenn Ihr die Möglichkeit habt, dann versucht es.“

Quellle: www.mainpost.de

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