Was Sicherheit bedeutet: Ein syrischer Zeitzeuge spricht über den Wert von Frieden

In einer Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile weit verbreitet sind, öffnete sich für unsere 8. Klassen im Rahmen der Verfassungsviertelstunde im Religionsunterricht ein Fenster zur Welt. Zu Gast war Mohamad – Syrer, Muslim, Flüchtling, ein Mensch mit einer Geschichte, die unter die Haut geht. Mohamad nahm die Jugendlichen mit auf eine Reise, die ebenso berührend wie erschütternd war. Er sprach über das Syrien von früher, einst ein blühendes Land, bevor der Bürgerkrieg alles in Schutt und Asche legte. Er berichtete von der Hoffnung, die in friedlichen Protesten gegen das Unrechtsregime der Regierung keimte, und der bitteren Gewalt, die darauf folgte. Als junger Mann im Bürgerkrieg dem Kriegsdienst gegen das eigene Volk verpflichtet, blieb ihm nur die Flucht. Ein Abschied von seiner geliebten Familie, um überhaupt eine Chance zu haben, am Leben zu bleiben.
Die Überfahrt über das Mittelmeer wurde zum Albtraum. Sein erstes Boot kenterte direkt vor der Küste, er überlebte durch pures Glück. Ein zweites Schlauchboot brachte ihn mittellos, traumatisiert und ohne ein Wort Deutsch zu verstehen in ein Land, das ihm fremd war. Doch der 21-Jährige fand Freunde, lernte die Sprache, absolvierte eine Ausbildung, arbeitete in der Krankenpflege im Haßfurter Krankenhaus und wurde zu einem festen Teil seiner Dorfgemeinschaft – vom ehrenamtlichen Einsatz in der Feuerwehr bis hin zum deutschen Pass.
Doch die Sehnsucht nach seiner Familie, der Drang, sein Land aus den Trümmern wieder aufzubauen, war stärker als die Sicherheit, die er hier gefunden hatte. Heute lebt Mohamad wieder in Syrien. Doch wer glaubt, er sei nun einfach dorthin „zurückgekehrt“, der täuscht sich. Tiefe Armut, völlig zerstörte Infrastruktur, hohe emotionale Belastung und die ständige Zerissenheit zwischen den zwei Welten, die er liebt und sein Zuhause nennt.
Seine Botschaft an die Schüler hallt noch heute nach: „Hier in Deutschland habt ihr Sicherheit und Frieden. Ihr habt alles – ihr wisst es nur oft nicht zu schätzen.“
Als er im Klassenzimmer von seinem Schicksal berichtete, begriffen die Schüler: Heimat ist kein Ort auf einer Landkarte, sondern ein Gefühl, das manchmal schmerzt. In diesen zwei Stunden wurde aus einem abstrakten Thema echte Empathie. Die herzlichen Verabschiedungen der Schüler waren mehr als nur Dank – sie waren das Versprechen, das, was sie von Mohamad über Freiheit, Toleranz und die Zerbrechlichkeit des Glücks gelernt hatten, in die Welt hinauszutragen.
Anne Wagenhäuser